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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Johann Wolfgang von Goethe

Wandrers Nachtlied

Der du vom Himmel bist
Alles Leid und Schmerzen stillest,
Den, der doppelt elend ist,
Doppelt mit Erquickung füllest,
5 Ach! ich bin des Treibens müde!
Was soll all der Schmerz und Lust?
Süßer Friede!
Komm, ach komm in meine Brust!





Entstehungsjahr: 1776
Erscheinungsjahr: 1789
Fassung: Späte
Aus: Vermischte Gedichte / Erste Sammlung
Referenzausgabe:
Karl Eibl: Johann Wolfgang Goethe. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche, Bd. 1. Deutscher Klassiker-Verlag: 1987, S. 300.
Bemerkungen
Entgegen der landläufigen Interpretation ist folgende Idee aufgekommen:
Die ersten vier Verse des Gedichtes beschreiben den Menschen in dem ewigen Hin und Her von Leid und Schmerz auf der einen Seite und der göttlichen Erquickung auf der anderen Seite. In den folgenden vier Versen wird mit »Treiben« auf dieses Oszillieren verwiesen. Der Ausweg aus dem Fallen und von Gott-Aufgerichtet-Werden soll durch den Frieden endlich vom lyrischen Ich genommen werden. Der Friede als nicht transzendente Macht enthebt sozusagen in ein gefühlloses Nirvana und befreit den Menschen und Gott aus der Pflicht.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Frühe Fassung: Wandrers Nachtlied , entstanden 1776

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.