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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling

Lied

    In meines Herzens Grunde,
Du heller Edelstein,
Funkelt all' Zeit und Stunde
Nur deines Namens Schein.
5 Erfreuest mich im Bilde
Mit Spiel und leichtem Scherz,
Rührend so süß als milde
Mir an das wilde Herz.
    Ueber Berge seh' ich ziehen
10 Dein' jugendlich' Gestalt,
Doch, wie die Wolken fliehen,
Das Bild vorüberwallt;
Es führt mich fort durch Wiesen
Weit ab in Thales Grund,
15 Doch wenn ichs will genießen,
Zerfließet es zur Stund.
    Ich will dich nicht umfassen,
Nur fliehe nicht von mir.
Das Bild kann ich nicht lassen,
20 Noch läßt es auch von mir.
Bei dir nur ist gut wohnen,
Drum ziehe mich zu dir.
Endlich muß sich doch lohnen
Schmerz, Sehnsucht und Begier.
25     Bringt jeder Tagesschimmer
Doch neuer Hoffnung Schein,
Und schreibt uns beid' noch immer
Ins Buch des Lebens ein.
Drum laß mich vor dir grünen,
30 Und leben froh und frei.
Gerne will ich dir dienen,
Daß treu dein Herze sey.





Entstehungsjahr: vor 1802
Erscheinungsjahr: 1801
Aus: 1833-1850 / Gedichte und metrische Übersetzungen
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Friedrich Wilhelm Joseph von Schellings sämmtliche Werke, Bd. I, 10. J. G. Cotta'scher Verlag, Stuttgart und Augsburg: 1861, S. 437-438.
Bemerkungen
Für dieses Gedicht gild ebenso die Herausgeberbemerkung, die bei dem Gedicht »Die letzten Worte des Dorfpfarrers zu Drottning auf Seeland« getroffen wurde:
»Dieses Gedicht, so wie die zwei folgenden, stand im Musenalmanach für das Jahr 1802, herausgegeben
von A. W. Schlegel und L. Tieck, mit dem Namen Bonaventura unterzeichnet.« Die Vorlage der Referenzausgabe war sehr schlecht zu lesen.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.