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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Gustav Pfizer

Die Sommergeister

Sommers laufen in Mittagsglut,
Ohne die Sohlen zu ritzen,
Luftige Geister ohne Blut
Ueber der Aehren Spitzen.
5 Wenn die Erde recht dürr und heiß,
Werden sie erst lebendig;
Wenn der Himmel vor Hitze weiß,
Spielen sie fort beständig.
Jedes Wölkchen die Kinder verscheucht,
10 Daß sie sich eilig verschlupfen;
Wenn ihnen würden die Füßchen feucht,
Stürben sie hin am Schnupfen.
Leicht gekleidet im güldenen Hemd,
Glänzen die weißen Gliedchen;
15 In silberner Sprache, seltsam und fremd,
Singen sie köstliche Liedchen.
Doch wenn die Sichel mit drohenden Schall
Schwingen gebräunte Hände,
Dann hat der glänzende Kinderball,
20 Das Spiel des Sommers ein Ende.
Fröstelnd in Höhlen kauern sie
Sich jetzt im Herbste zusammen;
Sehnend und weinend betrauern sie
Des Sommers liebliche Flammen.





Entstehungsjahr: vor 1836
Erscheinungsjahr: 1835
Aus: / Herbstlieder 2
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Gedichte von Gustav Pfizer. Verlag von Paul Reff, Stuttgart: 1835, S. 29.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.