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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Gustav Pfarrius

[»Auf zum Kampfe!« rief der Herold]

»Auf zum Kampfe!« rief der Herold,
»Sponheim will dem Feind erliegen!«
Nach dem Zeughaus zu den Waffen
Sah man die Getreuen fliegen.
5 Von den Schwertern, hier gehäufet,
Wählte Michel Mort das schwerste,
Ohne Helm und ohne Harnisch
War er auf dem Platz der Erste.
Dort auf blutgetränkter Ebne
10 Durch die Leichen der Genossen
Sah er wanken den Gebieter,
Von den Feinden rings umschlossen.
»Kreuznach hier, mein edler Grave!«
Ließ er seinen Ruf erschallen,
15 Und bei jedem seiner Hiebe
Sah man einen Gegner fallen.
»Kreuznach hier, ihr Pfaffenknechte!«
Hallte seine Stimme wieder,
Und mit jedem Schlag des Schwertes
20 Schlug er einen Söldner nieder;
Schlug umher wie Blitz und Hagel,
Splitter flogen in die Weite,
Und im Nu des Augenblickes
Focht er an des Grafen Seite;
25 Hieb entzwei des Nächsten Lanze,
Hieb ihn selbst vom Roß zur Erde,
Half dem Herrn, dem schwergetroffnen,
Hingesunkenen, zu Pferde.
»Rettet Euch, mein edler Grave,
30 »Dem Verfolger will ich wehren!«
Rief er fechtend, rief er sinkend,
Hingestreckt von hundert Speeren.
Wird durch Sprendlingens Gefilde,
Wanderer, Dein Fuß einst wallen,
35 Weil' an einem grauen Steine:
Michel Mort ist hier gefallen.





Entstehungsjahr: 1833
Erscheinungsjahr: ?
Aus: Das Nahethal in Liedern
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Das Nahethal in Liedern von Gustav Pfarrius. Verlag von Ludwig Kohnen, Köln und Aachen: 1838, S. 166-168.
Bemerkungen
Auf S. 151 der Referenzvorlage trägt das Gedicht in einem zwischengeschalteten Inhaltsverzeichnis den Titel »Michel Mort«.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.