Zurück zur FA Hauptseite
Zurück zur vorigen Seite
Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Bernhard von Lepel

Kaiser Heinrich II.

Das Haupt gebeugt, das Herz voll Leid,
Statt Purpurmantels im härenen Kleid –
Er trat in's Kloster, statt in's Zelt,
Der zweite Heinrich, müde der Welt.
5 Die gold'ne Kron' und des Scepters Stab
Trug ihm sein treuster Edelknab'.
Und der Kaiser sprach: die irdische Zier,
Vor Gottes Altar ruhe sie hier.
Vor trat der Abt, in der Mönche Kreis,
10 Sein Kleid war schwarz, sein Haupt war weiß.
Und der Kaiser beugte vor ihm das Knie –
»Mein Leben,« sprach er, »beschließ ich hie.
Mich drückt zu schwer der Krone Last,
Im Dienst des Herrn drum such' ich Rast.
15 Mir wogt zu wild des Lebens Meer
Und treibt mich tückisch hin und her.
Mein Schwert war tapfer früh und spat,
Doch liegt's gebrochen durch Verrath.
Nach Wälschland mußt' ich hinüberziehn,
20 Zu bänd'gen den wilden Harduin.
Und als ich dort auf's Haupt ihn traf
Lärmt' hier der Pole Boleslav.
Als diesen bezwungen kaum mein Schwert,
Da brannt' auf's Neue Welschlands Heerd.
25 So über die Alpen hin und her
Warf mich das Spiel, – da traf's mich schwer:
Der Freund verließ mich in der Schlacht,
Das hat dem Polen den Sieg gebracht,
Daß mich er, seinen Herrn, bezwang,
30 Und in das Mark des Reiches drang. –
Mich drückt zu schwer der Krone Last,
O gönnt dem müden Kämpfer Rast.
Hier ende still einst Heinrichs Lauf,
O, frommer Vater, nimm mich auf!«
35 Der Kaiser sprach's – tief lag er da,
Der Abt auf ihn hernieder sah:
»»Dein Schmerz hat Schmerz in mir erzeugt,
Es hat der Herr Dich tief gebeugt.
Doch, kennst Du auch, mein Sohn, mein Sohn,
40 Des Ordens Last und Mühe schon?
Wirst Du sie tragen sonder Scheu,
Und schwörst Du Gehorsam ihm und Treu?««
»Ich will sie tragen treu und gern,
Und biete mich ganz dem Dienst des Herrn.
45 Auflege mir die schwere Last,
Die Du dem Geringsten zu geben hast.
Ich trage willig jede Noth
Und schwöre Treu Dir bis zum Tod.«
»»Wohlan denn!«« tönte gebieterisch
50 Des Greises Stimme, jugendfrisch, –
»»Schworst Du Gehorsam sonder hehl,
So höre meinen ersten Befehl:
Setz' auf Dein Haupt die Krone dort
Und pflege Deines Amts hinfort!««
55 Der Kaiser sah den hohen Greis –
Seim Odem stockt', seine Stirn ward heiß.
Seine Hände deckten der Wangen Roth –
Und stumm befolgt er des Herrn Gebot.





Entstehungsjahr: vor 1867
Erscheinungsjahr: 1866
Aus: Bilder und Balladen
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Gedichte von Bernhard von Lepel. Verlag von Wilhelm Hertz, Berlin: 1866, S. 12-14.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.