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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Friedrich Müller (Maler Müller)

Soldaten-Abschied

Heute scheid' ich, heute wand'r ich,
    Keine Seele weint um mich.
Sind's nicht diese, sind's doch Andre,
Die da trauern, wenn ich wandre:
5     Holder Schatz, ich denk' an dich.
Auf dem Bachstrom hängen Weiden;
    In den Thälern liegt der Schnee;
Trautes Kind, daß ich muß scheiden,
Muß nun unsre Heimath meiden,
10     Tief im Herzen thut mir's weh.
Hundert tausend Kugeln pfeifen
    Ueber meinem Haupte hin!
Wo ich fall', scharrt man mich nieder
Ohne Klang und ohne Lieder,
15     Niemand fraget, wer ich bin.
Du allein wirst um mich weinen,
    Siehst du meinen Todesschein.
Trautes Kind, sollt' er erscheinen,
Thu' im Stillen um mich weinen
20     Und gedenk' auch immer mein.
Heb' zum Himmel unsern Kleinen,
    Schluchz': nun todt der Vater dein!
Lehr' ihn bethen! Gib ihm Segen!
Reich' ihm seines Vaters Degen!
25     Mag die Welt sein Vater seyn.
Hörst? Die Trommel ruft zu scheiden:
    Drück' ich dir die weiße Hand!
Still' die Thränen! Laß mich scheiden!
Muß nun für die Ehre streiten,
30     Streiten für das Vaterland.
Sollt' ich unter freyem Himmel
    Schlafen in der Feldschlacht ein:
Soll aus meinem Grabe blühen,
Soll auf meinen Grabe glühen
35     Blümchen süß: Vergiß nicht mein.





Entstehungsjahr: 1776
Erscheinungsjahr: 1825
Aus: Gedichte / Erstes Buch
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Friedrich Müllers, Königl. Bayrischen Hofmalers, Werke, Bd. 2. J. G. B. Mohr, Heidelberg: 1825, S. 339-340.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.