Zurück zur FA Hauptseite
Zurück zur vorigen Seite
Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Otto Heinrich Graf von Loeben

Der Lurleyfels

Da wo der Mondschein blitzet
Um's höchste Felsgestein,
Das Zauberfräulein sitzet,
Und schauet auf den Rhein.
5 Es schauet herüber, hinüber,
Es schauet hinab, hinauf,
Die Schifflein ziehn vorüber,
Lieb' Knabe, sieh' nicht auf!
Sie singt dir hold zum Ohre,
10 Sie blickt dich thöricht an,
Sie ist die schöne Lore,
Sie hat dir's angethan.
Sie schaut wohl nach dem Rheine,
Als schaute sie nach dir,
15 Glaub's nicht daß sie dich meine,
Sieh' nicht, horch nicht nach ihr!
So blickt sie wohl nach allen
Mit ihrer Aeuglein Glanz,
Läßt her die Locken wallen
20 Unter dem Perlenkranz.
Doch wogt in ihrem Blicke
Nur blauer Wellen Spiel,
Drum scheu die Wassertücke,
Denn Flut bleibt falsch und kühl.





Entstehungsjahr: vor 1822
Erscheinungsjahr: 1821
Aus: III. Spätere Lyrik
Referenzausgabe:
Raimung Pissin: Gedichte von Otto Heinrich Grafen von Loeben. B. Behr's Verlag, Berlin: 1905, S. 68.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.