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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Johann Wolfgang von Goethe

Am Staubbach

1.
Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser
Vom Himmel kommt es
5 Zum Himmel steigt es
2.
Und wieder nieder
Zur Erde muß es
Ewigwechselnd.
10 1.
Strömt von der hohen
Steilen Felswand
Der reine Strahl
Stäubt er lieblich
15 Zu Wolken-Wellen
Zum glatten Fels
Und leicht empfangen
Wallt er schleirend
Leisrauschend
20 Zur Tiefe nieder
2.
Ragen Klippen
Dem Sturz entgegen
Schäumt er unmutig
25 Stufenweise
Zum Abgrund.
1.
Im flachen Bette
Schleicht er das Wiestal hin.
30 2.
Und im glatten See
Weiden ihr Antlitz
Alle Gestirne
1.
35 Wind ist der Welle
Lieblicher Buhler
2.
Wind mischt von Grund aus
Alle die Wogen
40 1.
Seele des Menschen
Wie gleichst du dem Wasser
2.
Schicksal des Menschen
45 Wie gleichst du dem Wind.





Entstehungsjahr: 1779
Erscheinungsjahr: 1789
Referenzausgabe:
Karl Eibl: Johann Wolfgang Goethe. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche, Bd. 1. Klassiker-Verlag: 1987, S. 1030-1032.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.