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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Hermann Kurz

Nachlaß

Ich werde so von hinnen eilen
Mit tiefgeschlossenem Visier,
Und ein paar arme, stumpfe Zeilen
Die bleiben dann der Welt von mir.
5 Nach diesen werden sie mich wägen,
Verdammung sprechen oder Lob,
Nicht ahnend, ach, mit welchen Schlägen
Sich oft mein Herz in meinem Busen hob,
Wie ich am schönen Tag, in guter Stunde,
10 Verschmelzend Geist in Geist gewebt,
Mit einem kleinen Menschenbunde
Ein ganzes, volles Leben durchgelebt;
Wie wir das Herz, wie wir die Welt gemessen,
Wie manch gewichtig Wort in Lethe's Wellen fiel,
15 Und wie wir dann in seligem Vergessen
Manch kecken Scherz geübt, manch übermüthig Spiel.
Vor solchem Leben frisch und reich
Wie sind die Lettern todt und bleich!
Doch was ich mir in mir gewesen,
20 Das hat kein Freund gesehn, wird keine Seele lesen.





Entstehungsjahr: 1828-1873
Erscheinungsjahr: 1874
Aus: Gedichte / An Personen
Referenzausgabe:
Paul Heyse: Gesammelte Werke von Hermann Kurz, Bd. 1. Verlag von A. Kröner: 1874, S. 80.
Bemerkungen
Die Entstehungsdaten des Gedichtes orietieren sich an den Lebensdaten des Dichters.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.