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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

August von Kotzebue (Friedrich Germanus)

Bundeslied
(In bekannter Melodie)

Es kann ja nicht immer so bleiben
Hier unter dem wechselnden Mond;
Es blüht eine Zeit und verwelket,
Was mit uns die Erde bewohnt.
5     Es haben viel fröhliche Menschen
Lang vor uns gelebt und gelacht;
Den Ruhenden unter dem Rasen
Sey fröhlich dieß Gläschen gebracht!
    Es werden viel fröhliche Menschen
10 Lang' nach uns des Lebens sich freun,
Uns Ruhenden unter dem Rasen
Den Becher der Fröhlichkeit weihn.
    Wir sitzen so traulich beysammen,
Wir haben einander so lieb,
15 Erheitern einander das Leben;
Ach, wenn es doch immer so blieb'!
    Doch weil es nicht immer so bleibet,
So haltet die Freude recht fest;
Wer weiß denn, wie bald uns zerstreuet
20 Das Schicksal nach Ost und nach West!
    Und sind wir auch fern von einander,
So bleiben die Herzen sich nah!
Und Alle, ja Alle wird's freuen,
Wenn Einem was Gutes geschah.
25     Und kommen wir wieder zusammen,
Auf weise verhülleter Bahn,
So knüpfen an's fröhliche Ende
Den fröhlichen Anfang wir an!





Entstehungsjahr: vor 1804
Erscheinungsjahr: 1803
Aus: Gedichte
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Gedichte von August von Kotzebue, Bd. 2. J. B. Wallishausser [Wallishauffer?], Wien: 1818, S. 136-137.
Bemerkungen
Das Gedicht wird häufig auch als »Gesellschaftlied« in den Anthologien geführt. Frühe Drucke auch unter dem Titel »Trost beim Scheiden«.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.