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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Heinrich Heine

[Nicht gedacht soll seiner werden]

»Nicht gedacht soll seiner werden!«
Aus dem Mund der armen alten
Esther Wolf hört ich die Worte,
5 Die ich treu im Sinn behalten.
Ausgelöscht sein aus der Menschen
Angedenken hier auf Erden,
Ist die Blume der Verwünschung –
Nicht gedacht soll seiner werden!
10 Herz, mein Herz, ström aus die Fluten
Deiner Klagen und Beschwerden,
Doch von ihm sei nie die Rede –
Nicht gedacht soll seiner werden!
Nicht gedacht soll seiner werden,
15 Nicht im Liede, nicht im Buche –
Dunkler Hund im dunkeln Grabe,
Du verfaulst mit meinem Fluche!
Selbst am Auferstehungstage,
Wenn geweckt von den Fanfaren
20 Der Posaunen, schlotternd wallen
Zum Gericht die Totenscharen,
Und alldort der Engel abliest
Vor den göttlichen Behörden
Alle Namen der Geladnen –
25 Nicht gedacht soll seiner werden!





Entstehungsjahr: 1845-1856
Erscheinungsjahr: ?
Aus: Nachgelesene Gedichte 1845-1856 / III. Abteilung / Lamentationen 4
Referenzausgabe:
Klaus Briegleb: Heinrich Heine. Sämtliche Werke, Bd. 6. Hanser Verlag, München: 1968ff, S. 324.

Gedicht eingearbeitet von: Monika Spatz.