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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Otto Friedrich Gruppe

[Es weicht die Nacht und überm Hügel]

Es weicht die Nacht und überm Hügel
Glimmt rother Schein am Himmelssaum,
Noch birgt der Vogel unterm Flügel
Sein träumend Haupt in weichen Flaum.
5 Nur leise schallen helle Stimmen,
Die bald verhallen überm See,
Im Kloster seh ich Kerzen glimmen,
Und Nonnen gehn durch zarten Schnee.
Ein stiller Zug von wenig Schwestern:
10 Es stirbt das Nonnenkloster aus;
Davon verschied die jüngste gestern,
Man senkt sie in des Grabes Haus.
Darauf ein still Gebet der Frauen,
Doch keine heiße Thräne rinnt,
15 Kein Schluchzen tönt, und ist zu schauen
Kein trostberaubter Mann, kein Kind.
Es fallen leichte Flocken nieder,
Und nichts ist von dem Grab zu sehn,
Und weit und breit ist Stille wieder,
20 Und Tag wird's, als ob nichts geschehn.





Entstehungsjahr: vor 1835
Erscheinungsjahr: 1835
Aus: Gedichte / Erstes Buch / Winterbilder 1
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Gedichte von O. F. Gruppe, Bd. 1. G. Reimer, Berlin: 1835, S. 80-81.
Bemerkungen
Es war nicht eindeutig, ob sich die Überschrift »Winterbilder« auf nur dieses Gedicht bezieht oder ob sie auch die folgenden Gedichte beinhaltet. Hier wurde es so behandelt, als ob »Winterbilder« die Überschrift zu einem Zyklus darstellt, das abgedruckte Gedicht ist dabei das erste Gedicht. Diese Vorgehensweise wird durch andere Ausgaben bekräftigt, in denen Gruppe in Einzelveröffentlichungen den Titel »Winterbild« für jeweils eins der folgenden Gedichte verwendet.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.