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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Joseph Freiherr von Eichendorff

Zwielicht

Dämmrung will die Flügel spreiten,
Schaurig rühren sich die Bäume,
Wolken zieh'n wie schwere Träume –
Was will dieses Grau'n bedeuten?
5 Hast ein Reh du, lieb vor andern,
Laß es nicht alleine grasen,
Jäger zieh'n im Wald' und blasen,
Stimmen hin und wieder wandern.
Hast du einen Freund hienieden,
10 Trau ihm nicht zu dieser Stunde,
Freundlich wohl mit Aug' und Munde,
Sinnt er Krieg im tück'schen Frieden.
Was heut müde gehet unter,
Hebt sich morgen neugeboren.
15 Manches bleibt in Nacht verloren –
Hüte dich, bleib' wach und munter!





Entstehungsjahr: 1811
Erscheinungsjahr: 1815
Aus: Gedichte 1811-1815
Referenzausgabe:
Hartwig Schultz (Bd. 1) / Wolfgang Frühwald (Bd. 2) / Brigitte Schillbach (Bd. 3): Joseph von Eichendorff. Werke in sechs Bänden, Bd. 1. Deutscher Klassiker-Verlag, Frankfurt: 1987, S. 146.
Bemerkungen
Erstdruck 1815 in »Ahnung und Gegenwart«, dort ohne Titel
1837 in »Gedichte von Jospeh Freiherrn von Eichendorff« unter dem Titel »Zwielicht«, S. 7 (=DV)

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.