Zurück zur FA Hauptseite
Zurück zur vorigen Seite
Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Karl Egon Ebert (Franta Wokrauliczek)

Schwerting der Sachsenherzog

Der Schwerting, Sachsenherzog, der saß bei Festesmahl,
Da schäumten Weine perlend in eisernem Pokal,
Da rauchten Speisen köstlich in eisernem Geschirr,
Da war von Eisenpanzern ein wild und rauh Geklirr.
5 Der Dänenkönig Frotho genüber Schwerting saß,
Mit staunender Geberde die Eisenketten maß,
So diesem niederhingen von Hals und Brust und Hand,
Und dann Eisenspangen am schwarzen Trau'rgewand.
»Sagt an, was soll das deuten? Herr Bruder, gebt mir kund,
10 »Warum ihr mich geladen zu solcher Tafelrund'?
»Als ich herabgezogen aus meinem Dänenland,
»Da hofft' ich euch zu finden in güldenem Gewand.«
»»Herr König, Gold dem Freien, und Eisen für den Knecht!
»»Das ist der Sachsen Sitte, und so allein ist's recht.
15 »»Ihr habt in Eisenbande der Sachsen Arm gezwängt,
»»Wär' eure Kette gülden, sie wäre längst zersprengt.««
»»Doch, mein' ich, gibt's noch Mittel, zu lösen solches Erz,
»»Ein biedrer Sinn und Glaube, ein hoch und muthig Herz,
»»Das muß den Arm befreien, gefesselt hundertfach,
20 »»Das muß den Eidschwur löschen, und tilgen niedre Schmach!««
Als so der Fürst gesprochen, da traten in den Saal
Zwölf schwarze Sachsenritter, mit Fackeln allzumal,
Die harrten stumm und ruhig auf Schwertings leises Wort,
Und sprangen dann in Eile, die Brände schwingend, fort.
25 Nicht lang, da scholl von unten zu Herrn und Gastes Ohr
Ein Knistern und ein Prasseln von Feuerswuth empor,
Nicht lang, da ward's im Saale gar schwül und sommerheiß,
Und: »'s ist die Stund' gekommen,« sprach dumpf der ganze Kreis.
Der König will entfliehen, der Herzog hält ihn stark:
30 »Halt! steh und laß erproben dein ritterliches Mark,
»Hält es dem rauhen Gegner, der unten prasselt, Stand,
»Dein sey die Sachsenkrone, dein sey das Sachsenland!«
Und heißer, immer heißer wird's in der weiten Hall',
Und lauter, immer lauter erdröhnt der Balken Fall,
35 Und heller, immer heller wird rings der rothe Schein,
Die Thüre sinkt in Trümmer, die Lohe schießt herein.
Da knieen betend nieder die wackern Rittersleut':
»Herr, sey den Seelen gnädig, die selber sich befreit!«
Der Herzog doch sieht ruhig der Flamme Windeslauf,
40 Der König sinkt zu Boden, er reißt ihn wüthend auf.
»Schau hin, du stolzer Sieger! erzittre, feiges Herz;
So löst man Eisenbande, so schmilzt dein mächtig Erz!«
Er ruft's, und ihn erfasset der Flamme wild Gesaus,
Und nieder stürzen Alle, und nieder stürzt das Haus.





Entstehungsjahr: vor 1825
Erscheinungsjahr: 1824
Aus: Drittes Buch / Sage und Geschichte. Balladen. Romanzen. Legenden
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Gedichte von Karl Egon Ebert. J. G. Cotta'scher Verlag, Stuttgart / Tübingen: 1845, S. 265-266.
Bemerkungen
Erstdruck wahrscheinlich in der Erstauflage der Gedichte von 1824, Prag, beide Fassungen sind identisch.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.