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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Friedrich Martin von Bodenstedt (M. Reckenlob)

Freundschaft

Wenn Jemand schlecht von deinem Freunde spricht,
Und scheint er noch so ehrlich: glaub' ihm nicht!
Spricht alle Welt von deinem Freunde schlecht:
Mißtrau' der Welt und gieb dem Freunde Recht!
5 Nur wer so standhaft seine Freunde liebt,
Ist werth, daß ihm der Himmel Freunde giebt.
Ein Freundesherz ist ein so selt'ner Schatz,
Die ganze Welt beut nicht dafür Ersatz;
Ein Kleinod ist's voll heil'ger Wunderkraft,
10 Das nur bei festem Glauben Wunder schafft –
Doch jedes Zweifels Hauch trübt seinen Glanz,
Einmal zerbrochen wird's nie wieder ganz.
Drum: wird ein solches Kleinod dir beschert,
O trübe seinen Glanz nicht, halt es werth!
15 Zerbrich es nicht! Betrachte alle Welt
Als einen Ring nur, der dies Kleinod hält,
Dem dieses Kleinod selbst erst Werth verleiht,
Denn wo es fehlt, da ist die Welt entweiht.
Doch würdest du dem ärmsten Bettler gleich,
20 Bleibt dir ein Freundesherz, so bist du reich;
Und wer den höchsten Königsthron gewann
Und keinen Freund hat, ist ein armer Mann.





Entstehungsjahr: 1834-1867
Erscheinungsjahr: 1867
Aus: Alte und neue Gedichte / Sinngedichte und Sprüche
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Friedrich Bodenstedt's gesammelte Schriften. Gesammt-Ausgabe in zwölf Bänden, Bd. 9. Verlag der Königlichen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei (R. v. Decker), Berlin: 1867, S. 49.
Bemerkungen
Das Gedicht wird häufig in verkürzer Form abgebildet und endet dann nach Zeile 6.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.