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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Heinrich Heine

Ein Weib

Sie hatten sich beide so herzlich lieb,
Spitzbübin war sie, er war ein Dieb.
Wenn er Schelmenstreiche machte,
Sie warf sich aufs Bett und lachte.
5 Der Tag verging in Freud und Lust,
Des Nachts lag sie an seiner Brust.
Als man ins Gefängnis ihn brachte,
Sie stand am Fenster und lachte.
Er ließ ihr sagen: O komm zu mir,
10 Ich sehne mich so sehr nach dir,
Ich rufe nach dir, ich schmachte –
Sie schüttelt' das Haupt und lachte.
Um sechse des Morgens ward er gehenkt,
Um sieben ward er ins Grab gesenkt;
15 Sie aber schon um achte
Trank roten Wein und lachte.





Entstehungsjahr: um 1840
Erscheinungsjahr: ?
Aus: Neue Gedichte / Romanzen 1
Referenzausgabe:
Klaus Briegleb: Heinrich Heine. Sämtliche Werke, Bd. 4. Hanser Verlag, München: 1968ff, S. 374.

Gedicht eingearbeitet von: Monika Spatz.