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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Heinrich Heine

[Sie saßen und tranken am Teetisch]

Sie saßen und tranken am Teetisch,
Und sprachen von Liebe viel.
Die Herren die waren ästhetisch,
5 Die Damen von zartem Gefühl.
Die Liebe muß sein platonisch,
Der dürre Hofrat sprach.
Die Hofrätin lächelt ironisch,
Und dennoch seufzet sie: Ach!
10 Der Domherr öffnet den Mund weit:
Die Liebe sei nicht zu roh,
Sie schadet sonst der Gesundheit.
Das Fräulein lispelt: Wie so?
Die Gräfin spricht wehmütig:
15 Die Liebe ist eine Passion!
Und präsentieret gütig
Die Tasse dem Herren Baron.
Am Tische war noch ein Plätzchen;
Mein Liebchen, da hast du gefehlt.
20 Du hättest so hübsch, mein Schätzchen,
Von deiner Liebe erzählt.





Entstehungsjahr: 1822-1823
Erscheinungsjahr: ?
Aus: Buch der Lieder / Lyrisches Intermezzo 50
Referenzausgabe:
Klaus Briegleb: Heinrich Heine. Sämtliche Werke, Bd. 1. Hanser Verlag, München: 1968ff, S. 95-96.

Gedicht eingearbeitet von: Monika Spatz.