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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Joseph Freiherr von Eichendorff

Waldesgespräch

Es ist schon spät, es ist schon kalt,
Was reit'st du einsam durch den Wald?
Der Wald ist groß, du bist allein,
Du schöne Braut, ich führ' dich heim!
5 »Groß ist der Männer Trug und List,
Vor Schmerz mein Herz gebrochen ist,
Wohl irrt das Waldhorn her und hin,
O flieh, Du weißt nicht wer ich bin!«
So reich geschmückt ist Roß und Weib,
10 So wunderschön der junge Leib,
Jetzt kenn' ich dich – Gott steh mir bei!
Du bist die Hexe Lorelay.
»Du kennst mich wohl – vom hohen Stein,
Schaut still mein Schloß in tiefen Rhein;
15 Es ist schon spät, es wird schon kalt,
Kommst nimmermehr aus diesem Wald!«





Entstehungsjahr: um 1812
Erscheinungsjahr: 1815
Aus: Gedichte 1807-1810
Referenzausgabe:
Hartwig Schultz (Bd. 1) / Wolfgang Frühwald (Bd. 2) / Brigitte Schillbach (Bd. 3): Joseph von Eichendorff. Werke in sechs Bänden, Bd. 1. Deutscher Klassiker-Verlag, Frankfurt: 1987, S. 86.
Bemerkungen
Erstdruck 1815 in »Ahnung und Gegenwart«
1833 im »Liederbuch für deutsche Künstler« unter dem Titel »Von der Lorelei«
1834 in »Die Romanzen und Balladen der neueren deutschen Dichter« unter dem Titel »Romanze«
1837 in »Gedichte von Jospeh Freiherrn von Eichendorff« unter dem Titel »Waldgespräch«, S. 427 (DV ist »Historisch kritische Ausgabe«, Kosch/Sauer, Bd. 1, 1921, S. 431, verglichen mit der Handschrift im Goethe Museum, Frankfurt)

Gedicht eingearbeitet von: Mareike Riegel.