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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Matthäus Friedrich Chemnitz

Lied an Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein, meerumschlungen,
Deutscher Sitte hohe Wacht!
Wahre treu, was schwer errungen,
Bis ein schön'rer Morgen tagt!
5 Schleswig-Holstein, stammverwandt,
Wanke nicht, mein Vaterland!
Ob auch wild die Brandung tose,
Fluth auf Fluth, von Bai zu Bai:
O laß blüh'n in deinem Schooße
10 Deutsche Tugend, deutsche Treu'!
Schleswig-Holstein, stammverwandt,
Bleibe treu, mein Vaterland!
Doch, wenn inn're Stürme wüthen,
Drohend sich der Nord erhebt,
15 Schütze Gott die holden Blüthen,
Die ein mild'rer Süd belebt!
Schleswig-Holstein, stammverwandt,
Stehe fest, mein Vaterland!
Gott ist stark auch in den Schwachen,
20 Wenn sie gläubig ihm vertrau'n;
Zage nimmer, und dein Nachen
Wird trotz Sturm den Hafen schau'n!
Schleswig-Holstein, stammverwandt,
Harre aus, mein Vaterland!
25 Von der Woge, die sich bäumet
Längs dem Belt, am Ostseestrand,
Bis zur Fluth, die ruhlos schäumet
An der Düne flücht'gem Sand!'
Schleswig-Holstein, stammverwandt,
30 Stehe fest, mein Vaterland!
Und wo an des Landes Marken
Sinnend blinkt die Königsau,
Und wo rauschend stolze Barken
Elbwärts zieh'n zum Holstengau:
35 Schleswig-Holstein, stammverwandt,
Bleibe treu, mein Vaterland!
Theures Land, du Doppeleiche
Unter Einer Krone Dach,
Stehe fest, und nimmer weiche,
40 Wie der Feind auch dräuen mag:
Schleswig-Holstein, stammverwandt,
Wanke nicht, mein Vaterland!





Entstehungsjahr: vor 1845
Erscheinungsjahr: 1845
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Wanke nicht, mein Vaterland!. Bruhn, Schleswig: [1845], S. o. A..
Bemerkungen
Die beiden letzten Verse einer Strophe sind zu Beginn durch die Zeichenfolge »:,:« eingeleitet und werden durch diese auch abgeschlossen. Sie stehen wohl für eine Refrainwiederholung und sind in der hiesigen Fassung nicht übernommen.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.