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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Johann Wolfgang von Goethe

Abglanz

Ein Spiegel er ist mir geworden,
Ich sehe so gerne hinein,
Als hinge des Kaysers Orden
An mir mit Doppelschein;
5 Nicht etwa selbstgefaellig
Such' ich mich überall;
Ich bin so gerne gesellig
Und das ist hier der Fall.
Wenn ich nun vorm Spiegel stehe,
10 Im stillen Wittwerhaus,
Gleich guckt, eh' ich mich versehe,
Das Liebchen mit heraus.
Schnell kehr' ich mich um, und wieder
Verschwand sie die ich sah;
15 Dann blick ich in meine Lieder,
Gleich ist sie wieder da.
Die schreib' ich immer schöner
Und mehr nach meinem Sinn,
Trotz Krittler und Verhöhner,
20 Zu täglichem Gewinn.
Ihr Bild in reichen Schranken
Verherrlichet sich nur,
In goldnen Rosenranken
Und Rähmchen von Lasur.





Entstehungsjahr: 1815
Erscheinungsjahr: 1827
Fassung: Späte
Aus: Neuer Divan 1819-1827 / Suleika Nameh - Buch Suleika
Referenzausgabe:
Karl Eibl: Johann Wolfgang Goethe. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche, Bd. 3,1. Deutscher Klassiker-Verlag: 1987, S. 402-403.
Bemerkungen
Späte Fassung von »Abglanz« aus WöD 1819
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Frühe Fassung: Abglanz , entstanden 1815

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.