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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Johann Wolfgang von Goethe

Selige Sehnsucht

Sagt es niemand, nur den Weisen,
Weil die Menge gleich verhöhnet,
Das Lebend'ge will ich preisen
Das nach Flammentod sich sehnet.
5 In der Liebesnaechte Kühlung,
Die dich zeugte, wo du zeugtest,
Ueberfaellt dich fremde Fühlung
Wenn die stille Kerze leuchtet.
Nicht mehr bleibest du umfangen
10 In der Finsterniss Beschattung,
Und dich reisset neu Verlangen
Auf zu höherer Begattung.
Keine Ferne macht dich schwierig
Kommst geflogen und gebannt
15 Und zuletzt, des Lichts begierig,
Bist du Schmetterling verbrannt.
Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und werde!
Bist du nur ein trüber Gast
20 Auf der dunklen Erde.





Entstehungsjahr: 1814
Erscheinungsjahr: 1827
Fassung: Späte
Aus: Neuer Divan 1819-1827 / Moganni Nameh - Buch des Sängers
Referenzausgabe:
Karl Eibl: Johann Wolfgang Goethe. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche, Bd. 3,1. Deutscher Klassiker-Verlag: 1987, S. 316-317.
Bemerkungen
Späte Fassung von »Selige Sehnsucht« aus WöD, 1819
Die Sophienausgabe bemerkt eine Zusatzstrophe aus H94, dort die vorletzte:

Lange hab ich mich gesträubt
Endlich gab ich nach!
Wenn der alte Mensch zerstäubt,
Wird der neue wach!
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Frühe Fassung: Selige Sehnsucht , entstanden 1814

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.