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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Johann Wolfgang von Goethe

Suleika

Ach! um deine feuchten Schwingen,
West, wie sehr ich dich beneide:
Denn du kannst ihm Kunde bringen
Was ich in der Trennung leide.
5 Die Bewegung deiner Flügel
Weckt im Busen stilles Sehnen,
Blumen, Augen, Wald und Hügel
Stehn bey deinem Hauch in Thränen.
Doch dein mildes sanftes Wehen
10 Kühlt die wunden Augenlieder;
Ach für Leid müsst ich vergehen,
Hofft ich nicht zu sehn ihn wieder.
Eile denn zu meinem Lieben,
Spreche sanft zu seinem Herzen;
15 Doch vermeid ihn zu betrüben
Und verbirg ihm meine Schmerzen.
Sag ihm, aber sags bescheiden:
Seine Liebe sey mein Leben,
Freudiges Gefühl von beyden
20 Wird mir seine Nähe geben.





Entstehungsjahr: 1815
Erscheinungsjahr: 1827
Fassung: Späte
Aus: Neuer Divan 1819-1827 / Suleika Nameh - Buch Suleika
Referenzausgabe:
Karl Eibl: Johann Wolfgang Goethe. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche, Bd. 3,1. Deutscher Klassiker-Verlag: 1987, S. 398-399.
Bemerkungen
Späte Fassung von »Suleika« aus West-östlicher Divan, 1819
Text wahrscheinlich von Marianne von Willemer (1784-1860)
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Frühe Fassung: Suleika , entstanden 1815

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.