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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Johann Wolfgang von Goethe

[Meine Ruh' ist hin]

Meine Ruh' ist hin,
Mein Herz ist schwer;
Ich finde sie nimmer
Und nimmermehr.
5 Wo ich ihn nicht hab',
Ist mir das Grab,
Die ganze Welt
Ist mir vergällt.
Mein armer Kopf
10 Ist mir verrückt,
Mein armer Sinn
Ist mir zerstückt.
Meine Ruh' ist hin,
Mein Herz ist schwer;
15 Ich finde sie nimmer
Und nimmermehr.
Nach ihm nur schau' ich
Zum Fenster hinaus,
Nach ihm nur geh' ich
20 Aus dem Haus.
Sein hoher Gang,
Sein' edle Gestalt,
Seines Mundes Lächeln,
Seiner Augen Gewalt,
25 Und seiner Rede
Zauberfluß,
Sein Händedruck,
Und ach sein Kuß!
Meine Ruh' ist hin,
30 Mein Herz ist schwer,
Ich finde sie nimmer
Und nimmermehr.
Mein Busen drängt
Sich nach ihm hin.
35 Ach dürft' ich fassen
Und halten ihn!
Und küssen ihn
So wie ich wollt',
An seinen Küssen
40 Vergehen sollt'!





Entstehungsjahr: vor 1808
Erscheinungsjahr: 1808
Fassung: Späte
Aus: Faust I
Referenzausgabe:
Karl Eibl: Johann Wolfgang Goethe. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche, Bd. 7/1. Deutscher Klassiker-Verlag: 1987, S. 146-147.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Frühe Fassung: [Meine Ruh ist hin] , entstanden vor 1790

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.