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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Johann Wolfgang von Goethe

[Es war ein König in Tule]

Es war ein König in Tule
Einen goldnen Bächer er hett
Empfangen von seiner Bule
Auf ihrem Todtesbett.
5 Der Becher war ihm lieber.
Trank draus bey iedem Schmaus.
Die Augen gingen ihm über
So offt er trank daraus.
Und als es kam zu sterben
10 Zählt' er seine Städt im Reich
Gönnt alles seinen Erben
Den Becher nicht zugleich.
Er sas beym Königs Mahle
Die Ritter um ihn her
15 Auf hohem Väter Saale
Dort auf dem Schloss am Meer.
Dort stand der alte Zecher
Trank lezte Lebens glut
Und warf den heilgen Becher
20 Hinunter in die Flut.
Er sah ihn stürzen, trincken,
Und sinken tief ins Meer
Die Augen thähten ihn sinken
Trank nie einen Tropfen mehr.





Entstehungsjahr: 1776-1777
Erscheinungsjahr: ?
Fassung: Frühe
Aus: Faust / Göchhausen-Handschrift
Referenzausgabe:
Karl Eibl: Johann Wolfgang Goethe. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche, Bd. 7,1. Deutscher Klassiker-Verlag: 1987, S. 499-500.
Bemerkungen
Aus »Faust, Frühe Fassung«, (Göchhausen-Handschrift)
Frühe Fassung von »Es war ein König in Thule«
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Späte Fassung: [Es war ein König in Thule] , entstanden 1774
Andere Fassung: Der König in Thule , entstanden 1774
Andere Fassung: [Es war ein König in Thule] , entstanden um 1774

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.