Zurück zur FA Hauptseite
Zurück zur vorigen Seite
Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
Verschiedene Fassungen des Gedichts nebeneinander anzeigen

Johann Wolfgang von Goethe

[Saget, Steine mir an, o sprecht ihr hohen Paläste]

Saget, Steine, mir an, o! sprecht, ihr hohen Paläste!
    Straßen, redet ein Wort! Genius, regst du dich nicht?
Ja, es ist Alles beseelt in deinen heiligen Mauern,
    Ewige Roma; nur mir schweiget noch Alles so still.
5 O! wer flüstert mir zu, an welchem Fenster erblick' ich
    Einst das holde Geschöpf, das mich versengend erquickt?
Ahn' ich die Wege noch nicht, durch die ich immer und immer,
    Zu ihr und von ihr zu gehn, opfre die köstliche Zeit?
Noch betracht' ich Kirch' und Palast, Ruinen und Säulen,
10     Wie ein bedächtiger Mann schicklich die Reise benutzt,
Doch bald ist es vorbei; dann wird ein einziger Tempel,
    Amors Tempel nur sein, der den Geweihten empfängt.
Eine Welt zwar bist du, o Rom; doch ohne die Liebe
    Wäre die Welt nicht die Welt, wäre denn Rom auch nicht Rom.





Entstehungsjahr: 1788
Erscheinungsjahr: 1815
Fassung: Späte
Aus: Die Sammlung von 1815 / Elegien I / [Römische Elegien] 1
Referenzausgabe:
Karl Eibl: Johann Wolfgang Goethe. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche, Bd. 2. Deutscher Klassiker-Verlag: 1987, S. 154.
Bemerkungen
Späte Fassung der beiden Gedichte mit gleichlautender ersten Zeile, die hier als »Handschriftenfassung« und sogenannte »Horenfassung« abgebildet sind.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Frühe Fassung: [Saget Steine mir an, o sprecht ihr hohen Paläste] , entstanden 1788
Mittlere Fassung: [Saget, Steine mir an, o! sprecht, ihr hohen Paläste] , entstanden 1788

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.