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Johann Wolfgang von Goethe

[Saget, Steine mir an, o! sprecht, ihr hohen Paläste]

Saget Steine mir an, o! sprecht, ihr hohen Paläste.
    Straßen redet ein Wort! Genius regst du dich nicht?
Ja es ist alles beseelt in deinen heiligen Mauern
    Ewige Roma, nur mir schweiget noch alles so still.
5 O! wer flüstert mir zu, an welchem Fenster erblick ich
    Einst das holde Geschöpf, das mich versengt und erquickt?
Ahnd' ich die Wege noch nicht, durch die ich immer und immer,
    Zu ihr und von ihr zu gehn, opfre die köstliche Zeit.
Noch betracht' ich Paläst und Kirchen, Ruinen und Säulen,
10     Wie ein bedächtiger Mann sich auf der Reise beträgt.
Doch bald ist es vorbei, dann wird ein einziger Tempel,
    Amors Tempel nur sein, der den Geweihten empfängt.
Eine Welt zwar bist du, o Rom, doch ohne die Liebe
    Wäre die Welt nicht die Welt, wäre denn Rom auch nicht Rom.





Entstehungsjahr: 1788
Erscheinungsjahr: 1795
Fassung: Mittlere
Aus: / Römische Elegien 1
Referenzausgabe:
Karl Eibl: Johann Wolfgang Goethe. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche, Bd. 1. Deutscher Klassiker-Verlag: 1987, S. 393.
Bemerkungen
Sogenannte »Horen-Fassung«, vergleiche die Handschriftenfassung »Erotica Romana«, 1. Elegie und den Druck der »Sammlung von 1827«.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Frühe Fassung: [Saget Steine mir an, o sprecht ihr hohen Paläste] , entstanden 1788
Späte Fassung: [Saget, Steine mir an, o sprecht ihr hohen Paläste] , entstanden 1788

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.