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Johann Wolfgang von Goethe

[Saget Steine mir an, o sprecht ihr hohen Paläste]

Saget Steine mir an, o sprecht ihr hohen Paläste
    Straßen redet ein Wort! Genius rührst du dich nicht?
Ja es ist alles beseelt in deinen heiligen Mauern,
    Ewige Roma nur mir schweiget noch alles so still.
5 O wer flüstert mir zu an welchem Fenster erblick ich
    Einst das holde Geschöpf das mich verseng' und erquick'?
Ahnd' ich die Wege noch nicht durch die ich immer und immer
    Zu ihr und von ihr zu gehn wandlend ihr opfre die Zeit.
Noch betracht ich Paläst' und Kirchen, Ruinen und Säulen
10     Wie ein bedächtiger Mann der eine Reise benutzt.
Doch bald ist es vorbei, dann wird ein einziger Tempel,
    Amors Tempel nur sein der den Geweihten empfängt.
Zwar du bist die Welt, o Rom, doch ohne die Liebe
    Wäre die Welt nicht die Welt, wäre denn Rom auch nicht Rom.





Entstehungsjahr: 1788
Erscheinungsjahr: ?
Fassung: Frühe
Aus: / Erotica Romana 1
Referenzausgabe:
Karl Eibl: Johann Wolfgang Goethe. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche, Bd. 1. Deutscher Klassiker-Verlag: 1987, S. 392.
Bemerkungen
Frühfassung der »Römischen Elegien«
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Mittlere Fassung: [Saget, Steine mir an, o! sprecht, ihr hohen Paläste] , entstanden 1788
Späte Fassung: [Saget, Steine mir an, o sprecht ihr hohen Paläste] , entstanden 1788

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.