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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Johann Wolfgang von Goethe

[Mein altes Evangelium]

        Mein altes Evangelium
        Bring ich dir hier schon wieder
        Doch mir ists wohl um mich herum
        Darum schreib ich dir's nieder.
5         Ich holte Gold ich holte Wein
        Stellt alles da zusammen
        Da dacht ich da wird Wärme sein
        Geht mein Gemäld in Flammen
        Auch tät ich bei den Schätze hier
10         Viel Glut und Reichtum schwärmen
        Doch Menschenfleisch geht allem für
        Um sich daran zu wärmen.
        O daß die innre Schöpfungskraft
        Durch meinen Sinn erschölle
15         Daß eine Bildung voller Saft
        Aus meinen Fingern quölle.
        Ich zittre nur ich stottre nur
        Ich kann es doch nicht lassen
        Ich fühl ich kenne dich Natur
20         Und so muß ich dich fassen.
        Wenn ich bedenk wie manches Jahr
        Sich schon mein Sinn erschließet,
        Wie er wo dürre Heide war
        Nun Freudenquell genießet
25         Da ahnd ich ganz Natur nach dir
        Dich frei und lieb zu fühlen
        Ein lustger Springbrunn wirst du mir
        Aus tausend Röhren spielen
        Wirst alle meine Kräfte mir
30         In meinem Sinn erheitern
        Und dieses enge Dasein mir
        Zur Ewigkeit erweitern.
den 5 Dez. 1774        G.





Entstehungsjahr: 1774
Erscheinungsjahr: ?
Fassung: Frühe
Referenzausgabe:
Karl Eibl: Johann Wolfgang Goethe. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche, Bd. 1. Deutscher Klassiker-Verlag: 1987, S. 188-189.
Bemerkungen
Frühe Fassung von »Künstlers Abendlied«
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Mittlere Fassung: Künstlers Abendlied , entstanden 1774

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.