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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Johann Wolfgang von Goethe

Künstlers Abendlied

Ach, daß die innre Schöpfungskraft
Durch meinen Sinn erschölle!
Daß eine Bildung voller Saft
Aus meinen Fingern quölle!
5 Ich zittre nur, ich stottre nur,
Und kann es doch nicht lassen;
Ich fühl', ich kenne dich, Natur,
Und so muß ich dich fassen.
Bedenk' ich dann, wie manches Jahr
10 Sich schon mein Sinn erschließet,
Wie er, wo dürre Heide war,
Nun Freudenquell genießet;
Wie sehn' ich mich, Natur, nach dir,
Dich treu und lieb zu fühlen!
15 Ein lust'ger Springbrunn, wirst du mir
Aus tausend Röhren spielen.
Wirst alle meine Kräfte mir
In meinem Sinn erheitern,
Und dieses enge Dasein mir
20 Zur Ewigkeit erweitern.





Entstehungsjahr: 1774
Erscheinungsjahr: 1789
Fassung: Mittlere
Aus: Vermischte Gedichte / Zweite Sammlung
Referenzausgabe:
Karl Eibl: Johann Wolfgang Goethe. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche, Bd. 1. Deutscher Klassiker-Verlag: 1987, S. 353-354.
Bemerkungen
Späte Fassung von »[Mein altes Evangelium]«
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Frühe Fassung: [Mein altes Evangelium] , entstanden 1774

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.