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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Heinrich Heine

[Wir saßen am Fischerhause]

Wir saßen am Fischerhause,
Und schauten nach der See;
Die Abendnebel kamen,
Und stiegen in die Höh.
5 Im Leuchtturm wurden die Lichter
Allmählig angesteckt,
Und in der weiten Ferne
Ward noch ein Schiff entdeckt.
Wir sprachen von Sturm und Schiffbruch,
10 Vom Seemann, und wie er lebt
Und zwischen Himmel und Wasser,
Und Angst und Freude schwebt.
Wir sprachen von fernen Küsten,
Vom Süden und vom Nord,
15 Und von den seltsamen Völkern
Und seltsamen Sitten dort.
Am Ganges duftets und leuchtets,
Und Riesenbäume blühn,
Und schöne, stille Menschen
20 Vor Lotosblumen knien.
In Lappland sind schmutzige Leute,
Plattköpfig, breitmäulig und klein;
Sie kauern ums Feuer, und backen
Sich Fische, und quäken und schrein.
25 Die Mädchen horchten ernsthaft,
Und endlich sprach niemand mehr;
Das Schiff war nicht mehr sichtbar,
Es dunkelte gar zu sehr.





Entstehungsjahr: 1823-1824
Erscheinungsjahr: ?
Aus: Buch der Lieder / Heimkehr 7
Referenzausgabe:
Klaus Briegleb: Heinrich Heine. Sämtliche Werke, Bd. 1. Hanser Verlag, München: 1968ff, S. 111.

Gedicht eingearbeitet von: Monika Spatz.