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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Johann Wolfgang von Goethe

An Belinden

Warum ziehst du mich unwiderstehlich
Ach in jene Pracht?
War ich guter Junge nicht so selig
In der öden Nacht!
5 Heimlich in mein Zimmerchen verschlossen,
Lag im Mondenschein
Ganz von seinem Schauerlicht umflossen,
Und ich dämmert' ein;
Träumte da von vollen goldnen Stunden
10 Ungemischter Lust,
Hatte schon dein liebes Bild empfunden
Tief in meiner Brust.
Bin ich's noch, den du bei so viel Lichtern
An dem Spieltisch hältst,
15 Oft so unerträglichen Gesichtern
Gegen über stellst?
Reizender ist mir des Frühlings Blüte
Nun nicht auf der Flur;
Wo du, Engel, bist, ist Lieb' und Güte,
20 Wo du bist, Natur.





Entstehungsjahr: vor 1776
Erscheinungsjahr: 1789
Fassung: Mittlere
Aus: Erstes Weimarer Jahrzehnt / Vermischte Gedichte / Erste Sammlung
Referenzausgabe:
Karl Eibl: Johann Wolfgang Goethe. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche, Bd. 1. Deutscher Klassiker-Verlag: 1987, S. 287.
Bemerkungen
Späte Fassung von »[Warum ziehst du mich unwiderstehlich]«.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Frühe Fassung: [Warum ziehst du mich unwiderstehlich] , entstanden vor 1776

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.