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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Johann Wolfgang von Goethe

Der Bräutigam

Um Mitternacht, ich schlief, im Busen wachte
Das liebevolle Herz als wär' es Tag;
Der Tag erschien, mir war als ob es nachte,
Was ist es mir, soviel er bringen mag.
5 Sie fehlte ja, mein emsig Tun und Streben,
Für sie allein ertrug ich's durch die Glut
Der heißen Stunde, welch erquicktes Leben
Am kühlen Abend! lohnend war's und gut.
Die Sonne sank und Hand in Hand verpflichtet
10 Begrüßten wir den letzten Segensblick,
Und Auge sprach, in's Auge klar gerichtet:
Von Osten, hoffe nur, sie kommt zurück.
Um Mitternacht der Sterne Glanz geleitet
Im holden Traum zur Schwelle, wo sie ruht.
15 O sei auch mir dort auszuruhn bereitet,
Wie es auch sei das Leben, es ist gut.





Entstehungsjahr: vor 1825
Erscheinungsjahr: ?
Referenzausgabe:
Karl Eibl: Johann Wolfgang Goethe. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche, Bd. 2. Deutscher Klassiker-Verlag: 1987, S. 702.
Bemerkungen
Erstdruck in der Zeitschrift »Chaos«, die 1829 bis 1832 unter Mitwirkung Goethes erschien und zumeist nur im Freundeskreis gelesen wurde.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.