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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Johann Wolfgang von Goethe

Um Mitternacht

Um Mitternacht ging ich, nicht eben gerne,
Klein, kleiner Knabe, jenen Kirchhof hin
Zu Vaters Haus, des Pfarrers, Stern am Sterne
Sie leuchteten doch alle gar zu schön.
5                         Um Mitternacht.
Wenn ich dann ferner in des Lebens Weite
Zur Liebsten mußte, mußte weil sie zog,
Gestirn und Nordschein über mir im Streite,
Ich gehend, kommend Seligkeiten sog;
10                         Um Mitternacht.
Bis dann zuletzt des vollen Mondes Helle
So klar und deutlich mir in's Finstere drang,
Auch der Gedanke willig, sinnig, schnelle
Sich um's Vergangne wie um's Künftige schlang;
15                         Um Mitternacht.





Entstehungsjahr: 1818
Erscheinungsjahr: 1827
Aus: Die Sammlung von 1827 / Lyrisches
Referenzausgabe:
Karl Eibl: Johann Wolfgang Goethe. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche, Bd. 2. Deutscher Klassiker-Verlag: 1987, S. 474-475.
Bemerkungen
Erstdruck 1821 in »Über Kunst und Alterthum« III, 3, dort ohne Titel.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.