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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Johann Wolfgang von Goethe

Mächtiges Überraschen

Ein Strom entrauscht umwölktem Felsensaale
    Dem Ozean sich eilig zu verbinden;
    Was auch sich spiegeln mag von Grund zu Gründen,
    Er wandelt unaufhaltsam fort zu Tale.
5 Dämonisch aber stürzt mit einem Male -
    Ihr folgen Berg und Wald in Wirbelwinden -
    Sich Oreas, Behagen dort zu finden,
    Und hemmt den Lauf, begrenzt die weite Schale.
Die Welle sprüht, und staunt zurück und weichet,
10     Und schwillt bergan, sich immer selbst zu trinken;
    Gehemmt ist nun zum Vater hin das Streben.
Sie schwankt und ruht, zum See zurückgedeichet;
    Gestirne, spiegelnd sich, beschaun das Blinken
    Des Wellenschlags am Fels, ein neues Leben.





Entstehungsjahr: 1807-1808
Erscheinungsjahr: 1815
Aus: Die Sammlung von 1815 / Sonette 1
Referenzausgabe:
Karl Eibl: Johann Wolfgang Goethe. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche, Bd. 2. Deutscher Klassiker-Verlag: 1987, S. 250.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.