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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Johann Wolfgang von Goethe

Aussöhnung

Die Leidenschaft bringt Leiden! - Wer beschwichtigt
Beklommnes Herz das allzuviel verloren?
Wo sind die Stunden, überschnell verflüchtigt?
Vergebens war das Schönste dir erkoren!
5 Trüb' ist der Geist, verworren das Beginnen;
Die hehre Welt wie schwindet sie den Sinnen!
Da schwebt hervor Musik mit Engelschwingen,
Verflicht zu Millionen Tön' um Töne,
Des Menschen Wesen durch und durch zu dringen,
10 Zu überfüllen ihn mit ew'ger Schöne:
Das Auge netzt sich, fühlt im höhern Sehnen
Den Götter-Wert der Töne wie der Tränen.
Und so das Herz erleichtert merkt behende
Daß es noch lebt und schlägt und möchte schlagen,
15 Zum reinsten Dank der überreichen Spende
Sich selbst erwiedernd willig darzutragen.
Da fühlte sich - o daß es ewig bliebe! -
Das Doppel-Glück der Töne wie der Liebe.





Entstehungsjahr: 1823
Erscheinungsjahr: 1827
Aus: Die Sammlung von 1827 / Lyrisches / Trilogie der Leidenschaft 3
Referenzausgabe:
Karl Eibl: Johann Wolfgang Goethe. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche, Bd. 2. Deutscher Klassiker-Verlag: 1987, S. 462.
Bemerkungen
Diese Gedicht trägt auch den Titel »An Madame Marie Szymanowska« und ist auf S. 594-595 des zweiten Bandes abgedruckt. Ihm ist eine Bemerkung Goethes über diesen Doppeldruck beigegeben.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.