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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Johann Wolfgang von Goethe

Nähe des Geliebten

Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer
    Vom Meere strahlt;
Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer
    In Quellen malt.
5 Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege
    Der Staub sich hebt;
In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege
    Der Wandrer bebt.
Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen
10     Die Welle steigt.
Im stillen Haine geh' ich oft zu lauschen,
    Wenn alles schweigt.
Ich bin bei dir; du seist auch noch so ferne,
    Du bist mir nah!
15 Die Sonne sinkt; bald leuchten mir die Sterne.
    O, wärst du da!





Entstehungsjahr: 1795
Erscheinungsjahr: 1795
Aus: Lieder
Referenzausgabe:
Karl Eibl: Johann Wolfgang Goethe. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche, Bd. 1. Deutscher Klassiker-Verlag: 1987, S. 647.
Bemerkungen
Erstdruck in »Arienbuch der Claudine von Villa Bella«, 1795

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.