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Johann Wolfgang von Goethe

Mailied

Wie herrlich leuchtet
Mir die Natur!
Wie glänzt die Sonne!
Wie lacht die Flur!
5 Es dringen Blüten
Aus jedem Zweig,
Und tausend Stimmen
Aus dem Gesträuch,
Und Freud' und Wonne
10 Aus jeder Brust.
O Erd'! o Sonne!
O Glück! o Lust!
O Lieb'! o Liebe!
So golden-schön,
15 Wie Morgenwolken
Auf jenen Höhn!
Du segnest herrlich
Das frische Feld,
Im Blütendampfe
20 Die volle Welt.
O Mädchen, Mädchen,
Wie lieb' ich dich!
Wie blickt dein Auge!
Wie liebst du mich!
25 So liebt die Lerche
Gesang und Luft,
Und Morgenblumen
Den Himmelsduft,
Wie ich dich liebe
30 Mit warmen Blut,
Die du mir Jugend
Und Freud' und Mut
Zu neuen Liedern
Und Tänzen gibst.
35 Sei ewig glücklich,
Wie du mich liebst!





Entstehungsjahr: vor 1776
Erscheinungsjahr: 1789
Fassung: Späte
Aus: Vermischte Gedichte
Referenzausgabe:
Karl Eibl: Johann Wolfgang Goethe. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche, Bd. 1. Deutscher Klassiker-Verlag: 1987, S. 287-288.
Bemerkungen
Späte Fassung von »Maifest«
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Frühe Fassung: Maifest , entstanden vor 1775

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.