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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Adolf Böttger

Nach Jahren

Die Mutter lehnt am schattigen Thor,
Ihr blondes Töchterchen kniete davor,
Brach Rosen sich und Vergißmeinnicht,
Und küßt sie mit lachendem Angesicht:
5 »Ei! Mutter bin ich so groß wie du,
Dann trag' ich dir Alles im Hause zu,
Dann heg' ich und pfleg' ich dich lieb und fein
Wie die Rosen und die Vergißnichtmein.« -
                                –––
10 Und Jahre schwanden, – am schattigen Thor
Ragt höher und voller der Flieder empor!
Ein Mägdlein umfaßt des Geliebten Arm,
Es schlagen ihre Herzen so treu und warm,
Doch wie sie sich küßten auf Wang' und Mund,
15 Weinte das Mädchen aus Herzensgrund:
Denn die sie wollt' pflegen so lieb und fein,
Lag still unter Ros' und Vergißnichtmein.





Entstehungsjahr: 1830-1865
Erscheinungsjahr: ?
Aus: Lyrische Gedichte / III. Balladen und Romanzen
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Gesammelte Werke von Adolf Böttger, Bd. 1. Verlag der Dürr'schen Buchhandlung, Leipzig: 1865, S. 189.
Bemerkungen
Das Entstehungsjahr des Gedichtes ist an den Lebensdaten des Autors orienetiert.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.