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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Robert Reinick

Was geh'n den Spitz die Gänse an?

Es war einmal ein kleiner Spitz,
Der glaubt' er wär' zu allem nütz.
Und kam ihm Etwas in die Quer',
Da knurrt und brummt und bellt er sehr. –
5 Nun wackelt einst von Ungefähr
Frau Gans mit ihrem Mann daher,
Und vor den lieben Eltern wandern
Die Kinderchen, Eins nach dem Andern;
Und wie sie um die Ecke biegen,
10 Da schreien alle vor Vergnügen:
»Seht doch die Pfütze da! Kommt hin!
Wie herrlich muß sich's schwimmen d'rin!«
Das sieht Herr Spitz und bellt sie an:
»Weg da! Weg da! Nu seht doch an!
15 »Wie könnt ihr euch nur untersteh'n,
»In's Wasser so hinein zu geh'n?
»Wenn ich nicht wär' dazu gelaufen,
Ihr müßtet jämmerlich ersaufen!«
Das macht der alten Gans nicht bange!
20 Sie zischt ihn an, wie eine Schlange.
Da zieht mein Spitz sein Schwänzchen ein,
Und läßt die Gänse Gänse sein.
Doch knurrt er noch im vollen Lauf: –
»Nu, wer versaufen will, versauf!« – –
25 Die Gänschen aber, trotz dem Spitze,
Sie schwelgten recht in ihrer Pfütze.
Und immer noch aus weiter Fern'
Hört bellen man den weisen Herrn. –
Bell' er soviel er bellen kann!
30 Was geh'n den Spitz die Gänse an?





Entstehungsjahr: vor 1852
Erscheinungsjahr: ?
Aus: Gesammelte Dichtungen / Lieder und Reime
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Robert Reinick's Märchen-, Lieder- und Geschichtenbuch. Gesammelte Dichtungen Reinick's für die Jugend, zum erstenmal gesammelt und herausge. Verlag von Velhagen und Klasing, Bielefeld und Leipzig: 1874, S. 161.
Bemerkungen
In der Referenzvorlage sind zwei Bilder abgedruckt, eines zeigt den Spitz, ein anderes die Gänseschar in der Pfütze und den Spitz daneben. Das Entstehungsdatum des Textes wurde an dem Lebensdaten des Autors angelehnt. Eine zuverlässige Korrektur des Textes war aufgrund der schlechten Kopie der Referenzvorlage nur schwer möglich.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.