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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Christian Adolf Overbeck

Trost für mancherley Thränen

Warum sind der Thränen
Unterm Mond so viel?
Und so manches Sehnen,
Das nicht laut seyn will?
5 Nicht doch, lieben Brüder!
Ist dies unser Muth?
Schlagt den Kummer nieder,
Es wird alles gut!
Aufgeschaut mit Freuden,
10 Himmelauf, zum Herrn!
Seiner Kinder Leiden
Sieht er gar nicht gern.
Er will gern erfreuen;
Und erfreut so sehr!
15 Seine Hände streuen,
Segens gnug umher.
Nur dies schwach' Gemüthe
Trägt nicht jedes Glück,
Stößt die reine Güte
20 Selbst von sich zurück.
Wie's nun ist auf Erden,
Also sollt's nicht seyn.
Laßt uns besser werden:
Gleich wird's besser seyn.
25 Der ist bis zum Grabe
Wohl berathen hie,
Welchem Gott die Gabe
Des Vertraun's verlieh.
Dem macht das Getümmel
30 Dieser Welt nicht heiß,
Wer getrost zum Himmel
Aufzuschauen weiß.
Sind wir nicht vom Schlummer
Immer noch erwacht?
35 Leben und sein Kummer
Dau'rt nur Eine Nacht.
Diese Nacht entfliehet,
Und der Tag bricht an,
Eh' man sich's versiehet; –
40 Dann ist's wohlgethan.





Entstehungsjahr: 1771-1795
Erscheinungsjahr: ?
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Sammlung vermischter Gedichte von Christian Adolf Overbeck. Friedrich Bohn und Compagnie, Lübeck und Leipzig: 1794, S. 5-7.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.