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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Gottlieb Conrad Pfeffel

Die Tobakspfeife

  »Gott grüß' euch, Alter! – schmeckt das Pfeifchen?
Weis't her! – Ein Blumenkopf
Von rothem Thon mit goldnem Reifchen! –
Was wollt ihr für den Kopf?«
5   O Herr, den Kopf kann ich nicht lassen,
Er kömmt vom bravsten Mann,
Der ihn, Gott weiß es, einem Bassen
Bey Belgrad abgewann.
  Da, Herr, da gab es rechte Beute,
10 Es lebe Prinz Eugen!
Wie Grummet sah man unsre Leute
Der Türken Glieder mähn. –
  »Ein andermal von euren Thaten;
Hier, Alter, seyd kein Tropf,
15 Nehmt diesen doppelten Dukaten
Für euern Pfeifenkopf.«
  Ich bin ein armer Kerl und lebe
Von meinem Gnadensold;
Doch, Herr, den Pfeifenkopf, den gebe
20 Ich nicht um alles Gold.
  Hört nur: Einst jagten wir Husaren
Den Feind nach Herzenslust,
Da schoß ein Hund von Janitscharen
Den Hauptmann in die Brust.
25   Ich heb' ihn flugs auf meinen Schimmel,
Er hätt' es auch gethan,
Und trag' ihn sanft aus dem Getümmel
Zu einem Edelmann.
  Ich pflegte sein. Vor seinem Ende
30 Reicht' er mir all sein Geld
Und diesen Kopf, drückt' mir die Hände,
Und blieb im Tod noch Held.
  Das Geld mußt du dem Wirthe schenken,
Der dreymal Plündrung litt,
35 So dacht' ich, und zum Angedenken,
Nahm ich die Pfeife mit.
  Ich trug auf allen meinen Zügen
Sie wie ein Heiligthum,
Wir mochten weichen oder siegen,
40 Im Stiefel mit herum.
  Vor Prag verlor ich auf der Streife
Das Bein durch einen Schuß,
Da griff ich erst nach meiner Pfeife
Und dann nach meinem Fuß.
45   »Ihr rührt mich, Freund, bis zu den Zähren.
O! sagt, wie hieß der Mann,
Damit auch mein Herz ihn verehren
Und ihn beneiden kann.«
  Man hieß ihn nur den tapfern Walter:
50 Dort lag sein Gut am Rhein ...
»Das war mein Ahne, lieber Alter,
Und jenes Gut ist mein.«
  »Kommt, Freund! Ihr sollt bey mir nun leben!
Vergesset eure Noth;
55 Kommt, trinkt mit mir von Walters Reben
Und eßt von Walters Brod.«
  Nun, top! Ihr seyd sein wahrer Erbe!
Ich ziehe morgen ein,
Und euer Dank soll, wenn ich sterbe,
60 Die Türkenpfeife seyn.





Entstehungsjahr: 1782
Erscheinungsjahr: 1791
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Pfeffels Gedichte, 1. Theil, Bd. 1. F. A. Schraembl, Wien: 1791, S. 41-44.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.