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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Johann Martin Miller

Die Zufriedenheit
1776

    Was frag' ich viel nach Geld und Gut,
Wenn ich zufrieden bin!
Giebt Gott mir nur gesundes Blut,
So hab' ich frohen Sinn
5 Und sing' mit dankbarem Gemüth
Mein Morgen- und mein Abendlied.
    So mancher schwimmt im Ueberfluß,
Hat Haus und Hof, und Geld;
Und ist doch immer voll Verdruß,
10 Und freut sich nicht der Welt.
Je mehr er hat, je mehr er will;
Nie schweigen seine Klagen still.
    Da heißt die Welt ein Jammerthal,
Und deucht mir doch so schön;
15 Hat Freuden ohne Maas und Zahl,
Läßt keinen leer ausgehn.
Das Käferlein, das Vögelein
Darf sich ja auch des Maien freun.
    Und uns zu Liebe schmücken ja
20 Sich Wiese, Berg und Wald;
Und Vögel singen fern und nah,
Daß alles wiederhallt.
Bey'r Arbeit singt die Lerch' uns zu,
Die Nachtigall bey'r süssen Ruh.
25     Und wenn die goldne Sonn' aufgeht,
Und golden wird die Welt;
Und alles in der Blüte steht,
Und Aehren trägt das Feld;
Dann denk' ich: Alle diese Pracht
30 Hat Gott zu meiner Lust gemacht.
    Dann preis' ich laut, und lobe Gott,
Und schweb' in hohem Muth,
Und denk': Es ist ein lieber Gott,
Und meynt's mit Menschen gut!
35 Drum will ich immer dankbar seyn,
Und mich der Güte Gottes freun!





Entstehungsjahr: 1776
Erscheinungsjahr: 1783
Aus: Gedichte
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Johann Martin Millers Gedichte. Johann Konrad Wohler, Ulm: 1783, S. 389-391.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.