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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Franz Kugler (F. Th. Erwin)

Rudelsburg*
Mel.: Heute scheid' ich, heute wandr' ich

An der Saale hellem Strande
Stehen Burgen stolz und kühn.
Ihre Dächer sind zerfallen,
Und der Wind streicht durch die Hallen,
5 Wolken ziehen drüber hin.
Zwar die Ritter sind verschwunden,
Nimmer klingen Speer und Schild;
Doch dem Wandersmann erscheinen
In den altbemoosten Steinen
10 Oft Gestalten zart und mild.
Droben winken holde Augen,
Freundlich lacht manch rother Mund.
Wandrer schaut wohl in die Ferne,
Schaut in holder Augen Sterne,
15 Herz ist heiter und gesund.
Und der Wandrer zieht von dannen,
Denn die Trennungsstunde ruft;
Und er singet Abschiedslieder,
Lebewohl tönt ihm hernieder,
20 Tücher wehen in der Luft.
 
* Der Dichter bittet die verehrlichen Herausgeber deutscher Lieder-
bücher, die dem vorstehenden Liede in ihren Sammlungen noch ferner
eine Stelle schenken wollen, dasselbe geneigtest so abzuschreiben, wie es
25 hier steht und wie es vor vierzehn Jahren in einer schönen Sommernacht
auf einen der Tische in der Rudelsburg aufgeschrieben ward. Wir waren
damals ein kleiner Kreis von fröhlichen Studenten, und meine Freude haben
das Lied weiter umhergetragen; heuer jedoch ist es – wie Robert Reinick
zu sagen pflegt: – schon gar sehr zersungen worden. Vor Allem aber
30 werden die genannten Herausgeber gebeten, so leichte Waare, wie dies
Lied enthält, nicht ferner einem so hochverehrten Meister, wie Ludwig
Uhland, zuschreiben zu wollen.





Entstehungsjahr: 1826
Erscheinungsjahr: 1840
Aus: Gedichte / Gesellige Lieder
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Gedichte von Franz Kugler. J. G. Cotta'scher Verlag, Stuttgart und Tübingen: 1840, S. 89-90.
Bemerkungen
Die Fußnote verweist auf den Titel und stammt vom Autor.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.