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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Christoph August Tiedge

Romanze

        Auf dem Berge dort oben, da wehet der Wind,
Da sitzet Mariechen und wieget ihr Kind.
Sie wiegt es mit ihrer schneeweißen Hand,
Den Blick in die Ferne hinaus gewandt.
5         In die Ferne hinüber schweift all ihr Sinn;
Ihr Lieber, ihr Treuer, der ging dahin!
Sonst ging er, sonst kam er; nun kommt er nicht mehr!
Nun ist's um Mariechen so todt und so leer!
        In den Busen da fallen die Thränen hinein;
10 Da trinkt ihr Kindlein sie saugend mit ein.
Es schmeichelt der Mutter die kindliche Hand;
Ihr Blick ist hinaus in die Ferne gewandt.
        Ach, wie sausend wehet der Wind so kalt!
Mariechen, dein Liebster ging aus in den Wald;
15 Ihm reichten die tanzenden Elfen die Hand;
Er folgte der lockenden Schaar, und verschwand.
        Auf den Bergen dort oben, da wehet der Wind;
Da sitzet Mariechen, und wieget ihr Kind,
Und schaut in die Nacht hin, mit weinendem Blick.
20 Dahin ging ihr Liebster, und kehrt nicht zurück!





Entstehungsjahr: 1767-1841
Erscheinungsjahr: ?
Aus: Gedichte
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: C. A. Tiedge's sämmtliche Werke., Bd. 2. Renger'sche Buchhandlung, Leipzig: 1841, S. 56-57.
Bemerkungen
Die Entstehungsdaten des Gedichts sind an den Lebensdaten des Autors angelehnt.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.