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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Joseph Freiherr von Eichendorff

Frühlingsfahrt

Es zogen zwei rüst'ge Gesellen
Zum ersten Mal von Haus
So jubelnd recht in die hellen
Klingenden, singenden Wellen
5 Des vollen Frühlings hinaus.
Die strebten nach hohen Dingen,
Die wollten trotz Lust und Schmerz,
Was Recht's in der Welt vollbringen
Und wem sie vorübergingen,
10 Dem lachten Sinnen und Herz. –
Der Erste, der fand ein Liebchen,
Die Schwieger kauft' Hof und Haus;
Der wiegte gar bald ein Bübchen,
Und sah aus heimlichen Stübchen
15 Behaglich in's Feld hinaus.
Dem zweiten sangen und logen
Die tausend Stimmen im Grund,
Verlockend' Sirenen, und zogen
Ihn in der buhlenden Wogen
20 Farbig klingenden Schlund.
Und wie er auftaucht vom Schlunde
Da war er müde und alt,
Sein Schifflein das lag im Grunde,
So still war's rings in die Runde
25 Und über die Wasser weht's kalt.
Es singen und klingen die Wellen
Des Frühlings wohl über mir;
Und seh ich so kecke Gesellen,
Die Tränen im Auge mir schwellen –
30 Ach Gott, führ' uns liebreich zu Dir!





Entstehungsjahr: vor 1819
Erscheinungsjahr: 1818
Aus: Gedichte 1816-1830
Referenzausgabe:
Hartwig Schultz (Bd. 1) / Wolfgang Frühwald (Bd. 2) / Brigitte Schillbach (Bd. 3): Joseph von Eichendorff. Werke in sechs Bänden, Bd. 1. Deutscher Klassiker-Verlag, Frankfurt: 1987, S. 224-225.
Bemerkungen
Erstdruck 1818 im »Frauentaschenbuch« unter dem Titel »Frühlingsfahrt« (=DV)
In G1, 1837, einmalig unter dem Titel »Die zwei Gesellen«, S. 74

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.