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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Magnus Gottfried Lichtwer

Die Katzen und der Hausherr

    Thier' und Menschen schliefen veste,
Selbst der Hausprophete schwieg,
Als ein Schwarm geschwänzter Gäste
Von den nächsten Dächern stieg.
5     In dem Vorsaal eines Reichen
Stimmten sie ihr Liedchen an,
So ein Lied, daß Stein' erweichen,
Menschen rasend machen kann.
    Hinz, des Murners Schwiegervater,
10 Schlug den Takt erbärmlich schön,
Und zween abgelebte Kater
Quälten sich, ihm beizustehn.
    Endlich tanzten alle Katzen,
Poltern, lärmen, daß es kracht,
15 Zischen, heulen, sprudeln, kratzen,
Bis der Herr im Haus erwacht.
    Dieser springt mit einem Prügel
In dem finstern Saal herum,
Schlägt um sich, zerstößt den Spiegel,
20 Wirft ein Dutzend Schaalen um.
    Stolpert über ein'ge Späne,
Stürzt im Fallen auf die Uhr,
Und zerbricht zwo Reihen Zähne:
Blinder Eifer schadet nur.





Entstehungsjahr: 1734-1783
Erscheinungsjahr: 1793
Aus: Gedichte / Erstes Buch 21
Referenzausgabe:
Ernst Ludwig Magnus von Pott: Magnus Gottfried Lichtwer's Schriften. Verlag von Carl Brüggemann: 1828, S. 32-33.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.