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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Hermann von Gilm zu Rosenegg

Die Nacht

Aus dem Walde tritt die Nacht,
An den Bäumen schleicht sie leise,
Schaut sich um im weiten Kreise -
            Nun gieb acht!
5 Alle Lichter dieser Welt,
Alle Blumen, alle Farben
Löscht sie aus und stiehlt die Garben
            Weg vom Feld.
Alles nimmt sie, was nur hold;
10 Nimmt das Silber weg des Stromes,
Nimmt vom Kupferdach des Domes
            Weg das Gold.
Ausgeplündert steht der Strauch -
Rücke näher! Seel' an Seele,
15 O die Nacht, mir bangt, sie stehle
            Dich mir auch.





Entstehungsjahr: 1827-1864
Erscheinungsjahr: ?
Aus: Gedichte / Vermischte Gedichte
Referenzausgabe:
Rudolf Heinrich Greinz: Gedichte von Hermann von Gilm. Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig: o. J., S. 249.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.