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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Friedrich Schlegel

Im Walde

    Windes Rauschen, Gottes Flügel,
Tief in kühler Waldesnacht;
Wie der Held in Rosses Bügel,
Schwingt sich des Gedankens Macht.
5 Wie die alten Tannen sausen,
Hört man Geistes Wogen brausen.
    Herrlich ist der Flamme Leuchten
In des Morgenglanzes Roth,
Oder die das Feld befeuchten,
10 Blitze, schwanger oft von Tod.
Rasch die Flamme zuckt und lodert,
Wie zu Gott hinaufgefodert.
    Ewig's Rauschen sanfter Quellen,
Zaubert Blumen aus dem Schmerz;
15 Trauer, doch in linden Wellen,
Schlägt uns lockend an das Herz;
Fernab hin der Geist gezogen,
Die uns locken, durch die Wogen.
    Drang des Lebens aus der Hülle,
20 Kampf der starken Triebe wild;
Wird zur schönsten Liebesfülle,
Durch des Geistes Hauch gestillt.
Schöpferischer Lüfte Wehen
Fühlt man durch die Seele gehen.
25     Windes Rauschen, Gottes Flügel,
Tief in dunkler Waldesnacht!
Frei gegeben alle Zügel,
Schwingt sich des Gedanken Macht,
Hört in Lüften ohne Grausen
30 Den Gesang der Geister brausen.





Entstehungsjahr: 1787-1829
Erscheinungsjahr: 1846
Aus: Gedichte / IV. Romanzen und Lieder
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Fried. v. Schlegel's sämmtliche Werke, Bd. 10. Im Verlage bei Ignaz Klang, Wien: 1846, S. 91-92.
Bemerkungen
Das Entstehungsdatum des Gedichts ist an den Lebensdaten des Autors orientiert.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.