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Clemens Brentano (Maria)

[Einsam will ich untergehn]

 25. August 1817
 Einsam will ich untergehn
 Keiner soll mein Leiden wissen,
 Wird der Stern, den ich gesehn
5  Von dem Himmel mir gerissen
 Will ich einsam untergehn
 Wie ein Pilger in der Wüste.
 Einsam will ich untergehn
 Wie ein Pilger in der Wüste,
10  Wenn der Stern, den ich gesehn
 Mich zum letzten Male grüßte
 Will ich einsam untergehn
 Wie ein Bettler auf der Heide.
 Einsam will ich untergehn
15  Wie ein Bettler auf der Heide,
 Giebt der Stern, den ich gesehn,
 Mir nicht weiter das Geleite
 Will ich einsam untergehn
 Wie der Tag im Abendgrauen.
20  Einsam will ich untergehn
 Wie der Tag im Abendgrauen
 Will der Stern, den ich gesehn
 Nicht mehr auf mich niederschauen,
 Will ich einsam untergehn
25  Wie ein Sklave an der Kette.
 Einsam will ich untergehn
 Wie ein Sklave an der Kette,
 Scheint der Stern, den ich gesehn
 Nicht mehr auf mein Dornenbette
30  Will ich einsam untergehn
 Wie ein Schwanenlied im Tode.
 Einsam will ich untergehn
 Wie ein Schwanenlied im Tode,
 Ist der Stern, den ich gesehn
35  Mir nicht mehr ein Friedensbote
 Will ich einsam untergehn
 Wie ein Schiff in wüsten Meeren.
 Einsam will ich untergehn
 Wie ein Schiff in wüsten Meeren,
40  Wird der Stern, den ich gesehn
 Jemals weg von mir sich kehren,
 Will ich einsam untergehn
 Wie der Trost in stummen Schmerzen.
 Einsam will ich untergehn
45  Wie der Trost in stummen Schmerzen,
 Soll den Stern, den ich gesehn
 Jemals meine Schuld verscherzen,
 Will ich einsam untergehn
 Wie mein Herz in deinem Herzen.





Entstehungsjahr: 1817
Erscheinungsjahr: 1852
Fassung: Frühe
Aus: Gedichte 1816-1819
Referenzausgabe:
Wolfgang Frühwald (Bd. 1) / Bernhard Gajek (Bd. 1) / Friedhelm Kemp (Bd. 1): Clemens Brentano. Werke, Bd. 1. Carl Hanser Verlag, München: 1968, S. 389-390.
Bemerkungen
Frühe Fassung; Gedicht überarbeitet und mit SUZ versehen.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Späte Fassung: Kettenlied eines Sklaven an die Fesselnde zur letzten Stunde des Jahres 1834 geschlossen , entstanden 1834-1842

Gedicht eingearbeitet von: Monika Spatz.