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August Kopisch

Friedrichs des Zweiten Kutscher

Des alten Fritz Leibkutscher soll aus Stein
Zu Potsdam auf dem Stall zu sehen sein –
        Da fährt er so einher,
        Als ob er lebend wär:
5 Aller Kutscher Muster, treu und fest und grob,
Pfund genannt, umschmeißen kannt' er nicht: das war sein Lob!
Mordwege fuhr er ohne Furcht, sein Mut
Hielt aus in Schnee, Nacht, Sturm und Wasserflut.
        Ihm war das einerlei,
10         Er fand gar nichts dabei:
In dem Schnurrbart fest und steif blieb sein Gesicht,
Und man sah darauf kein schlimmes Wetter niemals nicht.
Doch rührte man an seinen Kutscherstolz,
War jedes Wort von ihm ein Kloben Holz;
15         Woher es auch geschah,
        Daß er es einst versah
Und dem alten Fritz etwas zu gröblich kam,
Wessenhalb derselbe eine starke Prise nahm,
Und sprach: Ein grober Knüppel wie Er ist,
20 Der fährt fortan mit Eseln Knüppel oder Mist!
        Und so geschahs. Ein Jahr
        Bereits verflossen war,
Als der Pfund einst Knüppel fuhr und gutes Muths
Ihm begegnete der alte Fritz; der frug: wie thuts?
25 I nu, wenn ich nur fahre, sagte Pfund,
Indem er fest auf seinem Fahrzeug stund,
        So ist mirs einerlei
        Und weiter nichts dabei
Obs mit Pferden oder obs mit Eseln geht,
30 Fahr ich Knüppel oder fahr ich Euer Majestät.
Da nahm der alte Fritz Tabak gemach
Und sah den groben Pfund sich an und sprach:
        Hüm, findt Er nichts dabei
        Und ist Ihm einerlei
35 Ob es Pferd, ob Esel, Knüppel oder ich;
Lad Er ab und spann Er um, und fahr Er wieder mich.





Entstehungsjahr: vor 1853
Erscheinungsjahr: 1856
Fassung: Andere
Aus: Lieder / Teil V / Vaterländisch 5
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Gesammelte Werke von August Kopisch, Bd. 1. Weidmannsche Buchhandlung, Berlin: 1856, S. 340-341.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Andere Fassung: Friedrichs des Zweiten Kutscher , entstanden 1814-1853

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.